Andacht aus dem Gemeindebrief März – Mai 2026

„Und Jesus gingen die Augen über.“
Johannes 11, 35


Ein weinender Jesus – wie kann das sein?
ER, der die Macht hat, Dinge zu verändern, Kranke zu heilen, Tote wieder auferstehen zu lassen, weint, als er am Grab von Lazarus steht.
Und das, obwohl er schon längst weiß, dass Gott ihn erhört hat, und Lazarus hier auf dieser Erde aus seinem Grab auferstehen wird.

Das zeigt mir, wie zutiefst menschlich Jesus ist. Er steht nicht über allem Schwierigen, das um ihn herum geschieht. Nein! Er fühlt einen tiefen Schmerz darüber, dass Lazarus gestorben ist. Und gewiss fühlt er auch mit den Menschen, die dort um Lazarus weinen.

„Ein Junge weint nicht, ein Junge beißt sich auf die Zunge, auch wenn das Herz reißt. Das musst du wohl noch lernen!“ Einige von Ihnen werden diese Liedzeilen von Gerhard Schöne gewiss noch kennen.
Oftmals wird Weinen als Schwäche dargestellt. Doch denke ich, dass Menschen, die Gefühle, die sie zum Weinen bringen, zulassen, starke Persönlichkeiten sind. Denn sie haben den Mut zuzugeben, wie es ihnen geht.

Wann haben Sie das letzte Mal ihren Gefühlen freien Lauf gelassen?

Keine Sorge, ich möchte mit dieser Andacht nicht dazu aufrufen, in jeder Situation loszuweinen. Doch möchte ich ermutigen, Gefühle, die da sind, nicht zu verdrängen.

Dann aber sollten wir weiter nach vorne schauen. Jesus hat geweint, doch ist er nicht in seiner Trauer hängen geblieben.
Er befiehlt Lazarus aus dem Grab zu steigen. Es geht weiter! Lazarus darf leben!

Zugegeben, unsere Verluste, unsere schwierigen Situationen sind nicht plötzlich aufgehoben.

Doch sollte uns diese biblische Begebenheit daran erinnern, dass es immer einen Weg gibt mit Jesus an unserer Seite. Wir dürfen also traurig sein über so Manches, doch uns dann nach vorne ausstrecken mit Blick auf den Anfänger und Vollender unseres Glaubens.

Er kann in unser Leben hineinwirken und Dinge geschehen lassen, mit denen wir nie gerechnet hätten und Situationen so verändern, dass wir nur staunen können. Und vor Allem versteht er unser Herz mehr, als es ein Mensch je tun kann. Ein starker Helfer und Tröster in der Not – Gott Vater, der Sohn Jesus Christus und der Heilige Geist!

Vertrauen wir uns IHM an. Wer kann uns besser zur Seite stehen, als ein Gott, der selber weint. Er fühlt mit uns, er versteht uns und er gibt uns SEINE Kraft.
In diesem Sinn wünsche ich uns Allen seinen Trost, seinen Schutz, seine Freude, seine Hoffnung und Zuversicht, sein erbarmendes Eingreifen, seine Liebe und seinen tiefen inneren Frieden – unabhängig davon, in welcher Lebenssituation wir uns momentan befinden mögen!

Herzlichst,
Doreen Gräfenhain