Geschichte St. Marien

Die St. Marienkirche zu Pasewalk
Baugeschichte
St.Marien um 1925

St. Marien um 1952

Die Pase­walk­er Marienkirche ist eine der bedeu­tend­sten mit­te­lal­ter­lichen Back­steinkirchen des nord­deutschen Bin­nen­lan­des und das bedeu­tend­ste Wahrze­ichen der Stadt Pase­walk.
1177 wurde in ein­er Schenkung­surkunde des Pom­mern­her­zogs Bog­islav I. an die 1168 in Grobe auf Use­dom ange­siedel­ten Prä­mon­stratenser­mönche, die auch das Patronat­srecht erhiel­ten, erst­mals eine „Mark­tkirche“ der Burg Pozde­wolk erwäh­nt. Es kön­nte sich dabei um einen Vorgänger­bau han­deln, auf dessen Fun­da­mente man beim Ein­bau des jet­zi­gen Gemein­dezen­trums stieß.
1325/50 Bau der Kirche als eine dreis­chif­fige Hal­lenkirche. Lang­haus mit 8 Jochen und Kreuzrip­pengewölbe. Turm mit Feld­steinsock­el, ab 3. Geschoß in Back­stein mit reich­er Blendengliederung.
Anfang 15. Jahrh. oktog­o­naler Anbau der Nord­kapelle im spät­go­tis­chen Stil.
1630 im 30-jähri­gen Krieg und 1711 im nordis­chen Krieg Zer­störung von Turm und Kirchen­dach ein­schl. Deck­engewölbe.
Ab 1734 Wieder­auf­bau mit Mit­teln des preußis­chen Königs Friedrich- Wil­helm I.
1736 war die Feier des ersten Gottes­di­en­stes wieder möglich.
1795 wur­den die Ausstat­tungs­ge­gen­stände der gle­ich­nami­gen Kirche aus Stet­tin erwor­ben und in Pase­walk einge­baut. Dies waren Altar, Orgel und Beicht­stüh­le.

St.Marien vor 1984

St.Marien vor 1984

1839 – 41 nach Entwür­fen des Lan­des­baumeis­ters Brock­mann wurde das beschädigte 3. Tur­mgeschoss erneuert und ein 4. Geschoss mit Galerie sowie ein oktog­o­naler, neu­go­tis­ch­er Auf­satz mit Spitzhelm errichtet.
1860 – 63 Umgestal­tung des gesamten Innen­raumes der Kirche im evan­ge­lisch-prostes­tantis­chen Sinne durch den Hof­bau­rat Friedrich August Stüler. Die Kirche erhielt u.a.den aus Kun­st­stein gestal­teten neu­go­tis­chen Altar und die aus gle­ichem Mate­r­i­al gestal­tete Kanzel. Eben­falls wurde die 64-reg­istrige Kaltschmid­torgel und die nach Entwür­fen von Stüler gestal­teten Glas­malereien des mit­tleren Chor­fen­sters einge­baut.
Mai 1945  Zum Ende des 2. Weltkrieges waren die Dachein­deck­ung und alle Ver­glasun­gen der Fen­ster kom­plett zer­stört.
1947 Wieder­her­stel­lung ein­er pro­vi­sorischen Dachein­deck­ung.
1948 Erster Gottes­di­enst in St. Marien.
1958 – 83 Aus­führung von unter­schiedlichen Instand­set­zungs- bzw. Restau­rierungsar­beit­en. So z. Beispiel Neu­ver­goldung von Kugel u.Kreuz, Erneuerung Kupfer­be­lag der Spitze, Instand­set­zung Uhr und Zif­ferblät­ter, umfassende Erneuerung der Lang­hau­sein­deck­ung.
03.12.1984 In den frühen Mor­gen­stun­den Teile­in­sturz des Turmes von St. Marien.
08.12.1984 Spren­gung der Turm­ru­ine. In deren Folge wur­den auch die west­liche Giebel­wand des Schiffes, die Orgelem­pore mit Kaltschmid­torgel und ein 2. Joch des Kirch­eschiffes zer­stört.
Dezem­ber 1984 Antrag der ev. Kirchenge­meinde Pase­walk an den Min­is­ter­rat der DDR zum Wieder­auf­bau von St. Marien. Dem Antrag wurde entsprochen.
1986 deckt ein Orkan das noch ungesicherte Dach des Lang­haus­es ab. Zusät­zliche Beschädi­gung des Dachstuhls.

St. Marien heute

1987/88 Beginn der Sicherungs- und Wieder­auf­bauar­beit­en
02.09.1988 feier­liche Grund­stein­le­gung für den Wieder­auf­bau von St. Marien.
1989 Die Kirchen­ruine ist gesichert, das Turm­fun­da­ment gegossen und der hohle Stahlbe­ton­gleitk­ern des Turmes errichtet. Danach staatlich bed­ingte Unter­brechung der Arbeit­en.
1991 Erst nach der Wiedervere­ini­gung wird der Wieder­auf­bau unter der Leitung des Architek­ten Hans-Axel Pietsch fort­ge­set­zt.
29.08.1992 Orgel­wei­he der für St. Marien neuge­baut­en Sauer-Orgel in St. Niko­lai.
20.05.1993 Ein­wei­hung des 6-stim­mi­gen Geläutes, davon 5 neu gegossene Glock­en.  (Anhören)
18.09.1994 Fer­tig­stel­lung und Auf­set­zen der neuen Kirch­turm­spitze (Turmhelm) .
08.10.2000 Fes­tliche Ein­wei­hung des neu einge­baut­en Gemein­dezen­trums (Win­terkirche).
03.08.2003 Orgelein­wei­hung der Sauer-Orgel in St. Marien nach Umset­zung aus St. Niko­lai.
2012–2013  Vollst. Restau­rierung des Lang­haus­es entsprechend der Fas­sung F. A.Stülers von 1863.

Mordkreuz/Sühnekreuz

Auf dem Kirch­platz vor der St. Marienkirche ste­ht das auf den beige­fügten Bildern ersichtliche Mord­kreuz. Es beste­ht aus Muschelkalk(Kalkstein), der aus dem schwedis­chen Got­land über die Ost­see gebracht und dann hier bear­beit­et wurde. Es ist jedoch kein Grab­stein aus der Zeit, als das Kirch­platzgelände im Mit­te­lal­ter als Fried­hof genutzt wurde. Uns ist wed­er der ursprüngliche Stan­dort noch der Zeit­punkt der Umset­zung auf den heuti­gen Stan­dort bekan­nt.DSCF2791

Die Bilder geben den Zus­tand von Jan­u­ar 2015 wieder. Die ver­wit­terte Ober­fläche lässt heute kaum noch etwas von den geschilderten, einge­meißel­ten Darstel­lun­gen erken­nen.

Da uns keine neueren und anders lau­t­ende Erken­nt­nisse bekan­nt sind, zitieren wir nach­fol­gend den dazu veröf­fentlicht­en Text vom Lan­deskon­ser­va­tor der preußis­chen Prov­inz Pom­mern Hugo Lemcke(1835–1925), aus seinem, im Quel­len­nach­weis ange­führten Werk.

Mord­kreuz, 2 m hoch aus Schwe­den­stein, auf dem Marienkirch­hofe. Auf der einen Seite ein Cru­ci­fixus, auf der anderen ein liegen­der Dreieckschild mit Helmzi­er und drei mit der Spitze nach unten gerichteten und vere­inigten Schw­ert­ern, dem Wap­pen der Fam­i­lie Lintst­ede, die um 1400 in der Umge­gend von Pase­walk reich begütert war und in man­nig­fachen Beziehun­gen zu der Stadt ges­tanden hat. DSCF2788Eine Inschrift ist nicht vorhan­den auss­er dem INRI in goth­is­chen Majuskeln über dem Cru­ci­fixus. Der geschichtliche Vor­gang, auf den sich das Kreuz bezieht, ist nicht bekan­nt. Die Ver­muthung, dass es errichtet sei aus Anlass der Ermor­dung des Priesters Zabel Schüne­mann, der 1367 von den Bürg­ern Pase­walks erschla­gen und am Pranger ver­bran­nt ist, dürfte kaum zutr­e­f­fen, da ihr das Wap­pen wider­spricht. Immer­hin ist das Kreuz als ein „Mord­kreuz“, d.h. zur Sühne eines Tod­schlages errichtet, anzuse­hen und kann nach der Form und Zeich­nung des Wap­pens und des Cru­ci­fixus auf der Rück­seite sehr wohl in das 14. Jahrhun­dert gehören.“