Geschichte Friedenskirche

Geschichte der Entstehung der Friedenskirche

am Rothen­burg­er Weg in Pase­walk

Friedenskirche5, 29.01.2015Die Geschichte begin­nt, mit einem Schreiben von Bau­rat Schwarz, Leit­er des Kon­sis­to­ri­alen Bauamtes in Greif­swald vom 14. Feb­ru­ar 1953, an den Gemein­dekirchen­rat Pase­walk unter Vor­sitz von Pas­tor Karl Pagel. Es geht um den Antrag der ev. Kirchenge­meinde Pase­walk zum Bau eines Gemein­de­saales in Pase­walk Sied­lung. Darin heißt es, dass als Anlage eine Zeich­nung für einen Saal­bau, der mit den aus Gartz/O. zu beschaf­fend­en Barack­en­teilen erbaut wer­den kann, über­sandt wird. Der Gemein­dekirchen­rat Neu-Rochlitz hat sich damit ein­ver­standen erk­lärt, einen Teil der Barack­en­teile abzugeben und sein eigenes Pro­jekt zu verklein­ern. In Gartz/O. war die Stephan­skirche teil­weise als Chorkirche wieder­hergestellt wor­den. Eine bis dahin ver­wen­dete Barack­enkirche wurde frei. Der Gemeindekirchenrat(GKR) Pase­walk wird gebeten, sich direkt mit den Kirchge­mein­den Gartz/O. und Neu-Rochlitz in Verbindung zu set­zen, da der GKR Neu-Rochlitz den Abbruch der Baracke in Gartz/O. selb­st in die Hand nehmen wird. Vom Kon­sis­to­ri­um wird den Pase­walk­ern anheim gestellt, sofort Kosten­vo­ran­schläge für den Wieder­auf­bau der Barack­en­teile in der Pase­walk­er Sied­lung einzu­holen. Die Gemeinde Pase­walk müsste aber auch die Abbruchkosten und einen Teil der Trans­portkosten nach Pase­walk übernehmen.

Mit „Pase­walk Sied­lung“ ist hier der heutige Stadt­teil am Rothen­burg­er Weg gemeint. Zum dama­li­gen Zeit­punkt lag die Sied­lung am äußer­sten östlichen Stad­trand. Sie wurde in den 1930-er Jahren gebaut. Sie bestand damals aus über­wiegend kleinen Ein­fam­i­lien- Dop­pel­häusern. Die Häuser wur­den mit rel­a­tiv großen Grund­stück­en aus­ges­tat­tet, um die Anlage von Nutzgärten und die Klein­tier­hal­tung für die Bewohn­er zu ermöglichen. Das heutige Straßen­netz gab es noch nicht. Die Sied­lung war nur von der Stet­tin­er Chaussee über den Rothen­burg­er Weg erre­ich­bar. Ring­sherum gab es nur Ack­er­land. Die heutige Friedensstraße wurde erst 1957 im Zusam­men­hang mit dem Auf­bau der ehe­ma­li­gen Großbäck­erei errichtet. Deren Betrieb­s­gelände gren­zte an den west­lichen Rand der bere­its beste­hen­den Sied­lung. In den Jahren 1960–64 fol­gte dann der Bau des ehe­ma­li­gen Schlacht-u. Ver­ar­beitungs­be­triebes als weit­er­er Groß­be­trieb an der Friedensstraße. Diese kurze Beschrei­bung der dama­li­gen Ver­hält­nisse macht uns die Begrün­dung der Errich­tung des Gemein­de­saales bess­er ver­ständlich.

Durch den GKR Pase­walk wer­den nun Kosten­vo­ran­schläge einge­holt und dem Kon­sis­to­ri­um über­sandt. Daraufhin antwortet das Kon­sis­to­ri­um am 07.04. 1953 mit der Übersendung von Zeich­nun­gen und speziellen bautech­nis­chen Erläuterun­gen für die Beantra­gung ein­er Bau­genehmi­gung bei den örtlichen Behör­den. Darin wird u.a. vorgeschla­gen, dass der Ein­gangsvor­bau des geplanten Saal­baues der Dachland­schaft der vorhan­de­nen Sied­lung angepasst wird. Er soll mas­siv gebaut, tur­mar­tig etwas höher gezo­gen sein und auch ein Ziegel­dach erhal­ten. Auch das Aufhän­gen ein­er kleinen Glocke im Obergeschoss des Vor­baues wird erwäh­nt. Eine Akten­no­tiz vom 14.07.1953 von Her­rn Plath sagt aus, dass der Bauantrag vom 07.04.53 vom Kreis­bauamt abgelehnt wurde. Wörtlich heißt es, „dass der Antrag 2 Wochen bei der Partei gele­gen hat und dort entsch­ieden wor­den wäre, dass der Bau dieser Kirche nicht notwendig ist“. Der Land­wirt Erich Plath war, als Mit­glied im dama­li­gen Gemein­dekirchen­rat, in Baufra­gen sehr aktiv.

Das Kreis­bauamt gab den Antrag zurück mit dem Hin­weis, über die Stadtver­wal­tung Pase­walk einen neuen Vorstoß zu unternehmen. Die Stadtver­wal­tung lehnte den Antrag zunächst eben­falls ab.

Jedoch wurde Herr Plath ein­ge­laden, den zuständi­gen Vertretern der Stadt, das Vorhaben per­sön­lich zu erläutern und zu begrün­den. Dabei wurde von den Anwe­senden zus­tim­mend aufgenom­men, dass durch diesen Bau den Kindern der Sied­lung ein Unter­richt­sraum geschaf­fen wird, der ihnen den weit­en Weg in die Stadt zum Reli­gions- u. Kon­fir­man­de­nun­ter­richt erspart. Speziell in der kalten Jahreszeit ste­ht damit ein geheizter Raum ohne weite Wege zur Ver­fü­gung. Die Stadtver­wal­tung stimmte nun dem Bauantrag zu und so wurde, nach baupolizeilich­er Prü­fung der ein­gere­icht­en Unter­la­gen am 13.07.1953 die Bau­genehmi­gung Nr. 37/VII/53 erteilt. Das Grund­stück für den geplanten Gemein­de­saal wurde von Frau Johan­na Rother zur Ver­fü­gung gestellt. Es liegt unmit­tel­bar an der Stet­tin­er Chaussee und dem Beginn des Rothen­burg­er Weges. Nun begin­nt der schwierig­ste Teil des Vorhabens. Es wer­den Fir­men und Handw­erks­be­triebe aus Pase­walk gebeten, Kos­te­nange­bote für die Aus­führung der Arbeit­en in den benötigten Gew­erken einzure­ichen. Par­al­lel dazu muss sich um die Beschaf­fung von Bau­ma­te­r­i­al geküm­mert wer­den, denn die aus­führen­den Betriebe sind in der dama­li­gen Zeit nicht immer in der Lage, das benötigte Mate­r­i­al bere­itzustellen. Hier ein Beispiel für den Aufwand und die schwieri­gen Bedin­gun­gen, die wir uns heute gar nicht mehr vorstellen kön­nen. Es geht um die Beschaf­fung von 30 kg Drahtstifte(Nägel),Abmessung 4 Zoll und 20 kg Draht­s­tifte 3 Zoll. Da diese Nägel aus Berlin, engl. Sek­tor, geliefert wer­den, ist ein Waren­be­gleitschein beim Amt für Zoll und Kon­trolle des Waren­verkehrs der DDR zu beantra­gen. Außer­dem eine Genehmi­gung zur Ein­fuhr in die Län­der der DDR bei der Regierung der DDR, Min­is­teri­um für Außen­han­del Abt. Verkehr. Am 12.12. und 15.12.1953 lagen bei­de Doku­mente mit entsprechen­der Genehmi­gung vor. Jet­zt durften die ins­ge­samt 50 kg Nägel geliefert wer­den. Das notwendi­ge Bauholz wurde von der Kirchen­forst bere­it­gestellt. Mit der Fir­ma Schilling & Lat­ter­mann in Apolda/Thüringen wird die Liefer­ung ein­er Hart­guß­glocke, Ton „dis“, 210 kg Gewicht und 79 cm Durchmess­er vere­in­bart. Die Inschrift der Glocke lautet: „Nun aber ist Chris­tus aufer­standen von den Toten und der Erstling gewor­den unter denen, die da Schlafen“

( 1. Kor. 15, 20 )

Bish­er ist immer von einem Gemein­de­saal, teil­weise aus Barack­en­teile errichtet, die Rede. In ein­er Akten­no­tiz vom 16.11.1953 von Her­rn Plath an Bau­rat Schwarz vom Kon­sis­to­ri­um taucht nun erst­ma­lig der Begriff von der Kirche Rothen­burg­er Weg und die „Umän­derung“ für Mas­sivbau mit Hart­dach auf. Am 04.01.1954 legt Herr Plath beim Rat des Kreis­es Pase­walk, Abt. Auf­bau einen Antrag auf „Nach­trags­genehmi­gung“ für einen mas­siv­en Neubau vor. Gle­ichzeit­ig schlägt er vor, die im Neubau vorge­se­henen Toi­let­ten weg­fall­en zu lassen und dafür die vorhan­dene Toi­lette auf dem Nach­bar­grund­stück, mit Ein­ver­ständ­nis der Eigen­tümer, zu erweit­ern. Am 15.01.54 beantragt Herr Plath beim Rat des Kreis­es Abt. Auf­bau bere­its die Freiga­be von 6000 Stck Mauerziegel für die Aus­führung in der neuen, voll­ständig mas­siv­en Vari­ante.

Am 07.07.1954 teilt Pas­tor Pagel als Vor­sitzen­der des Gemein­dekirchen­rates dem Kon­sis­to­ri­um in Greif­swald mit, dass beschlossen wurde, die Ein­wei­hung der neuen Sied­lungskirche auf den 11. Son­ntag n. Trin., am 29. August 1954 um 14,00 Uhr zu leg­en. Gle­ichzeit­ig erge­ht damit die Ein­ladung an das Kon­sis­to­ri­um und die Mit­glieder der Kirchen­leitung zur feier­lichen Ein­wei­hung.

Bischof v. Scheven, Pastor Braune u. Pagel (2)Eine jew­eils beson­dere Ein­ladung erge­ht an den zuständi­gen Bischof v. Scheven, dem Präsi­den­ten D. Braune in Lobe­tal b. Bernau und dem früheren Super­in­ten­den­ten Friedrich, der zu diesem Zeit­punkt eine Pfarrstelle in Berlin Steglitz inne hat. Pfar­rer Friedrich kann jedoch lei­der auf­grund ander­er, bere­its beste­hen­der Ter­mine, nicht daran teil­nehmen.

So wurde,nachdem seit der der Anre­gung zum Bau der Kapelle in der Rothen­burg­er Sied­lung rund 1,5 Jahre ver­gan­gen waren, die heutige Frieden­skirche durch Bischof v. Scheven gewei­ht.

Mit Datum vom 17. 12.1958 erhält die ev. Kirchenge­meinde Pase­walk von der Staatlichen Bauauf­sicht, Kreis­bauamt Pase­walk den Gebrauchsab­nahmeschein für den Kapel­len­bau. Darin wird bestätigt, dass die Prü­fung der Bauaus­führung zu keinen Bean­stan­dun­gen geführt hat.

Die Ausstat­tung der Kirche ist schlicht. Zur musikalis­chen Begleitung ist ein Har­mo­ni­um vorhan­den.

Im Jahr 1992, in der Amt­szeit von Pas­tor Dib­bern, wird mit Hil­fe ein­er ABM-Maß­nahme ein Anbau an das Kirchen­schiff errichtet. Die Ziegel­steine für diesen Anbau wur­den alle aus den Trüm­mern der Turm­spren­gung von St. Marien gebor­gen und wiederver­wen­det. Er enthält behin­derten­gerechte Toi­let­ten und eine Teeküche. Zum Buß­tag, den 17.11.1993, wurde durch Pas­tor Dib­bern zur feier­lichen Ein­wei­hung ein­ge­laden. Das Pro­gramm sah vor, Gottes­di­enst mit Posaunen­chor, Baumpflan­za­k­tion und Kaf­fee trinken.

Auch die Beheizung wurde im Laufe der Jahre dem jew­eili­gen Stand der Tech­nik angepasst. Zuerst war es der Kach­e­lofen, dann eine elek­trische Nacht­spe­icher­heizung und heute ist es eine mod­erne Gasheizung mit Anschluss an das Gas­netz der Stadtwerke Pase­walk.

Im Jahr 2004 wurde, mit Pas­tor Jens Warnke, das 50-jährige Jubiläum began­gen. Für die Gemeinde war es eine große Freude hierzu auch den ehe­ma­li­gen Pas­tor Rudolf Dib­bern und den inzwis­chen 90 Jahre alten Pas­tor Karl Pagel begrüßen zu kön­nen.