Gemeindekonzeption

Erinnern Sie sich? Es begann mit einer Ausstellung am 12. April 2015 im Langhaus von St. Marien. Unter dem Titel „Wie neugeboren“ zeigte eine  interaktive Ausstellung die Vielfalt unseres Gemeindelebens. Es folgte ein intensiver Beratungsprozess unter Begleitung von Pastor Martin Wiesenberg. Als dessen Ergebnis hat der noch amtierende ‚alte‘  Kirchengemeinderat in seiner letzten Sitzung am 10. Januar durch Beschluss eine Gemeindekonzeption in Kraft gesetzt. Der Text ist im folgenden für Sie abgedruckt. Sie können sich den Text aber auch zum Ausdrucken herunterladen.

 

 

Evangelische Kirchengemeinde Pasewalk

Gemeindekonzeption

 

 

Leitbild

 

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Johannes 15,5)

 

 

Unsere Kirchengemeinde wird eine

  • aus der Kraftquelle des Evangeliums schöpfende,
  • einladende,
  • lebendige,
  • für alle Altersgruppen offene
  • und in der Öffentlichkeit wahrnehmbare Gemeinschaft sein

Wir wollen

  • Auf Menschen vorbehaltlos zugehen
  • Gemeinschaft erlebbar machen
  • Menschen für das Evangelium gewinnen

Dazu werden wir

  • generationenübergreifend und familienorientiert arbeiten
  • eine Einladungs- und Willkommenskultur pflegen
  • uns um eine Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung bemühen
  • zur Mitarbeit ermutigen

 

Gemeindekonzeption

 

  1. Was wir sind

Wir sind die evangelische Kirchengemeinde in einer Kleinstadt Vorpommerns nahe der deutsch-polnischen Grenze. Seit der Wiedervereinigung 1989/90 haben wir große Kraftanstrengungen unternommen, um unsere Kirchengemeinde wirtschaftlich zu konsolidieren. Von ehemals drei Pfarrstellen sind heute 1 ½ Stellen erhalten geblieben (An die erste Pasewalker Pfarrstelle ist zusätzlich die benachbarte Kirchengemeinde Dargitz-Stolzenburg angebunden).

Gleichzeitig haben wir den Wiederaufbau der großen gotischen Hallenkirche St. Marien bewältigt, die 1984 durch den Einsturz ihres Turmes und der Westfassade schwer beschädigt worden war.

Zu unserer Lebenswirklichkeit gehört es, Teil einer „postsozialistischen Gesellschaft“ zu sein. Zwei ihrer Aspekte sind heute besonders spürbar:

  1. Als Folge der im Staatssozialismus gewollten und geförderten Säkularisierung hat der evangelische Bevölkerungsanteil in Pasewalk erheblich abgenommen. Er liegt heute noch bei ca. 12 % der Einwohner.
  2. Daneben wirkt sich der Verlust vieler Arbeitsplätze nach der Wende spürbar auf die Altersstruktur unserer Kirchengemeinde aus. So befindet sich etwa die Hälfte von uns im Rentenalter.

 

  1. Was wir haben
  • 500 Gemeindeglieder mit ihren individuellen Gaben und Fähigkeiten
  • zahlreiche Menschen, die sich schon jetzt auf vielfältige Weise ehrenamtlich einsetzen, z. B. in unterschiedlichen Gottesdienstformen, im Kirchengemeinderat, im Weihnachtsbesuchsdienst, beim Austragen von Gemeindebriefen oder als „Teamer“ in der Jugendarbeit, und viele andere Menschen, die noch gerne gefragt werden wollen
  • eine Dienstgemeinschaft aus 16 Mitarbeitenden in den Arbeitsfeldern Verkündigung und Seelsorge, Kirchenmusik, Küsterdienst, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Offene Kirche, Öffentlichkeitsarbeit, Gebäude- und Grundstückspflege, Friedhof und Verwaltung
  • drei Kirchengebäude, ein kleines Verwaltungsgebäude, ein Mehrparteien-Wohnhaus, in dem u. a. die Pfarrwohnung untergebracht ist
  • den einzigen Friedhof der Stadt, der als Begräbnisstätte für kirchliche und nicht-kirchliche Verstorbene dient
  • land- und forstwirtschaftlich nutzbare Flächen sowie andere Grundstücke, deren Erträge uns bei der Erfüllung unserer Aufgaben helfen
  • in der zentral gelegenen gotischen St. Marienkirche einen großen, derzeit nicht heizbaren Gottesdienstraum im Langhaus und eine beheizbare Winterkirche für ca. 100 Personen unterhalb der Empore, außerdem unter der Empore bzw. im Turm unterschiedlich ausgestattete Räume als Treffpunkte für Menschen aller Altersgruppen, für Chöre und Musiker
  • regelmäßige Gottesdienste in St. Marien mit ca. 30 bis 40 Teilnehmenden, 1x monatlich Familienkirche, ökumenische Gottesdienste zu bestimmten Tagen, gastweise Schulgottesdienste, Gottesdienste für Gehörlose, Gottesdienste für Soldatinnen und Soldaten der in der Nähe stationierten Bundeswehreinheiten
  • zahlreiche aktive Gemeindegruppen in St. Marien: Christenlehre, Junge Gemeinde, Erwachsenenkreise, Chöre, Band
  • eine langjährige Weltgebetstags-Arbeit
  • Eine-Welt-Arbeit mit Verkaufsstand und Informationsveranstaltungen
  • einen Weihnachtsbesuchsdienst, der während der Adventszeit Gemeindeglieder ab 80 Jahren besucht
  • eine Kindergruppe in der Friedenskirche am Ortsrand
  • Kirchenkonzerte
  • Gemeindebrief
  • Homepage
  • Förderverein zum Erhalt der St.-Marien-Kirche
  • Vernetzung und Kontakte mit
  • der Evangelischen Stiftung St. Georg und St. Spiritus Pasewalk und ihren diakonischen Einrichtungen für Seniorinnen und Senioren, einer KiTa sowie einem Erholungs- und Tagungshaus in Zinnowitz,
  • dem Verein Brückenbauer e.V. Pasewalk zur ambulanten Arbeit mit Behinderten,
  • der der Evangelischen Grundschule St. Nikolai und anderen Schulen im Stadtgebiet
  • der Aktion „Pasewalk hilft“ zur Begleitung und Betreuung von Flüchtlingen
  • der Kindertagesstätte der Johanniter
  • der katholischen Kirchengemeinde
  • der Stadt mit ihrer Verwaltung
  • den lokalen und regionalen Publikationsorganen

Das ist unser Reichtum, für den wir dankbar sind!

 

3.Was wir wollen

 

„Dran bleiben …“

… an Jesus Christus als unserem Weinstock, der uns festhält und der uns seine unerschöpfliche Kraft zufließen lässt

 

Dazu wollen wir für die nächsten drei Jahre (bis 2019) die folgenden Arbeitsfelder in den Blick nehmen:

  • Gottesdienst

Wir setzen uns zum Ziel, die Gottesdienste vielfältiger, sinnlicher, dialogischer und inklusiver zu gestalten. Wir wollen vom Evangelium berührt werden. Auch für Nichtinsider und für Nichtkirchliche sollen die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes (Titus 3,4) spürbar werden. Dazu wollen wir das Evangelium in Alltagssprache verkündigen und Raum für Predigtnachgespräche schaffen. Wir wollen neu über die Gestaltung des Heiligen Abendmahls nachdenken. Wir wollen, dass in der gottesdienstlichen Feier für alle Teilnehmende Versöhnung mit Gott und Gemeinschaft untereinander erlebbar wird und dass sie dadurch mit Freude erfüllt werden. Wir wollen den Prädikanten- und Lektorendienst stärken. Außerdem wollen wir mehr ehrenamtlich Mitarbeitende für den Gottesdienst gewinnen und zurüsten, die im Team miteinander die Feier der Gottesdienste vorbereiten.

 

  • Kirchenmusik

Wir setzen uns zum Ziel, durch die Kirchenmusik die Herzen der Menschen für das Evangelium aufzuschließen. Kirchenmusik ist keine Pflege von Kulturgut, sondern Transportmittel für die lebendige und freimachende Botschaft von der Gnade Gottes.

Musik spricht die Gefühle ihrer Hörer an. Weil Menschen unterschiedlich empfinden, fördern wir ein möglichst breit gefächertes musikalisches Spektrum von traditioneller Chor- und Orgelmusik bis zu Gospel, Rock, Pop und experimenteller Musik. Wir wollen, dass Gottesdienste so oft wie möglich von Chören und Musikgruppen mitgestaltet werden. Wir wünschen uns, dass auch bei Kirchenkonzerten zum Mitsingen eingeladen wird und dass anspruchsvolle Vortragsstücke erklärt werden.

Wir geben unserem Kantor Freiräume, sich musikalisch weiterzuentwickeln und theologisch wie auch musikpädagogisch fortzubilden. Wir laden möglichst viele Menschen mit kirchlichem und nicht-kirchlichem Hintergrund ein, in unseren Chören und Musikgruppen mitzumachen.

 

  • Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche sind die Kirchengemeinde von morgen. Ihnen soll die christliche Gemeinde zur Heimat werden. Darum wollen wir die Arbeit mit der jungen Generation zu einem Schwerpunkt machen Dafür wollen wir verstärkt nichtkirchliche Familien für die christliche Botschaft und die Gemeinschaft in der Kirche interessieren, Informationsdefizite und bestehende Vorbehalte abbauen.

Dazu benötigen wir qualifizierte, kontaktfreudige Mitarbeitende, die als glaubwürdige Sympathieträger ein attraktives Angebot für Kinder und Jugendliche machen, die Kontakt zu den Familien aufbauen, mit Einrichtungen der Kinder- und Jugendbildung kooperieren und dabei ihre Arbeit miteinander abstimmen.

Wir wollen ihnen die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen sowie ihre seelische und fachliche Zurüstung fördern.

 

  • Arbeit mit Frauen

Wir wollen die Arbeit mit Frauen generationenübergreifend gestalten.

Frauenbildung und Frauenförderung geschehen vor allem im Frauenfrühstück und im Frauenkreis. Bei diesen regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen wollen wir Frauen weiterhin bekenntnisunabhängig einladen, sich mit religiösen und theologischen Themen zu befassen.

Wir wollen WGT- und Eine-Welt-Arbeit erhalten und ausbauen. Dazu wollen wir auch verstärkt jüngere Frauen gewinnen.

Die Zusammenarbeit mit dem Frauenwerk der Nordkirche wollen wir intensivieren und vor Ort besser verankern.

 

  • Arbeit mit Senioren

Seniorinnen und Senioren stellen derzeit die Hälfte der Gemeindeglieder. Sie stellen außerdem den größten Teil der regelmäßigen Gottesdienstbesucher. Viele von ihnen gestalten auch darüber hinaus das Leben der Kirchengemeinde als Ehrenamtliche mit: Sie tragen Gemeindebriefe aus und beteiligen sich am Weihnachtsbesuchsdienst.

Viele sind aber auch pflegebedürftig. Eine wachsende Zahl lebt in Senioreneinrichtungen. Wir wollen dafür sorgen, dass das derzeitige Gottesdienstangebot fortgeführt wird.

Wir wollen einen Besuchsdienstkreis einrichten, um den regelmäßigen Kontakt zu den pflegebedürftigen Gemeindegliedern aufrecht zu erhalten.

 

  • Arbeit mit Ehrenamtlichen

Das Engagement der Ehrenamtlichen trägt zu einem großen Teil die Gemeindearbeit. Wir wollen in der gesamten Gemeinde eine Kultur der Wertschätzung ehrenamtlicher Tätigkeiten fördern.

 

  • Arbeit mit Flüchtlingen

Seit 2015 werden auch in Pasewalk verstärkt Flüchtlinge untergebracht. Wir wollen uns nach innen und außen an der Willkommenskultur beteiligen.

 

  • Kirche und Öffentlichkeit

Über die bereits genannten Veranstaltungen hinaus wollen wir verstärkt Gottesdienste und andere Formen gelebter Frömmigkeit in die Öffentlichkeit tragen (z.B. Open-Air- Gottesdienste, Lebendiger Adventskalender).

 

  • Gebäude

Für die Gebäude der Kirchengemeinde wollen wir ein Gebäudenutzungskonzept erstellen.